Cistus labdanigerus, Cistus creticus - Früher auch Ladanon, Ledanon oder Ladanum genannt
 
Herodot, Historien III, 112: „Das Ledanon – die Araber sagen Ladanon – ist noch seltsamer. Es entsteht an einem übelriechenden Ort und reicht doch sehr angenehm. Es findet sich nämlich im Bart der Ziegenböcke, wie es wie Harz von Holz abträufelt. Man verwendet es für viele Salben; die Araber benutzen es besonders zum Räuchern.“
cistrose
 
Plinius, Naturkunde XII, 74: „Der Geruch des reinen Ladanon muss herb sein und auf gewisse Art den der Einöde vertreiben.“
 
Herodots Bericht über die Gewinnung des Labdanumharzes geht auf das alte Verfahren zurück, Ziegenherden in die Macchia Mato zu treiben, um sie dort weiden zu lassen.
Die Cistrosen, eben auch die harzreichen Lackcistrose, ist in vielen Mittelmeerländern heimisch, in Spanien, Frankreich, Portugal, Marokko, Griechenland, und ein typisches Gewächs der wilden immergrünen Macchienlandschaften.
Für Mensch ist dieses Buschland oft nahezu undurchdringlich.
Die Ernte des Labdanumharzes, dass der Cistrosenbusch in kleinen dunklen Harztröpfchen über die Blätter und Stengel ausscheidet, ist ein mühevolles Unterfangen. Naheliegend also die Ziegen als Sammler einzusetzen. Das Harz ist sehr klebrig und setzt sich im Fell der Ziegen fest, woraus es am Abend im Pferch sorgfältig herausgekämmt wurde.
Danach presste man das Harz mit seiner wachsartigen Konsistenz zu kleinen Stäben und brachte es so in den Handel.
Später, im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein, wurde in Griechenland das Labdanumharz auch gesammelt, indem man ein rechenartiges Gerät, das Ladanisterion, an dem lange Lederstreifen befestigt waren, über die Büsche zog.
Das Harz heute ist ein Olioresin und wird durch Kochen der Pflanze im Wasser gewonnen.
Die kleine kretische Cistrose wird bis zu 130 cm hoch, die Lackcistrose mit ihren weißen Blüten kann bis zu 3 Metern hoch werden.
Das dunkelbraune, fast schwarze Harz erfreute sich in vielen alten Kulturen großer Beliebtheit und war mancherorts eine teure Rarität.
Es wurde als Medizin, Parfüm und Räucherstoff vielseitig verwendet und fasziniert uns mit seinem facettenreichen auch heute gleichermaßen.
Labdanum war eine der Lieblingsdüfte der kretischen Frauen, Aphrodite geweiht. In Ägypten verwendete man ihn in den Kyphi-Mischungen, die Hebräer gebrauchten ihn für ihren Tempelweihrauch. Später war er auch in der russisch-orthodoxen Kirche sehr beliebt.
Im Mittelalter war in Europa eine Kardinals-Weihrauchmischung sehr bekannt, die Labdanum enthielt. Eine ähnliche Mischung, diesmal jedoch aus dem Destillat des Harzes, gelangte später wieder unter den Zauberhänden der Parfümeuren mit dem Namen „Chypre“ zu Weltruhm. Auch heute noch ist Labdanum bei den Parfümeuren als Fixaktiv gebräuchlich.
 
Als Wurzelnote riecht das Cistrosenharz balsamisch, warm, ambraartig, erdig, ledrig, honigartig, fruchtig mit einem Hauch von Vanille.
Und lange noch nicht sind hiermit alle Komponenten dieses Duftes beschrieben.
Es ist ein Vergnügen für sich selbst, ihn immer wieder aufs Neue zu entdecken.
 
Dieser Duft kann auf uns erdend, beruhigend, erwärmend, leicht erogen wirken; wie Balsam in der Tiefe unserer Seele. Wenn wir ihn riechen und die Augen schließen, werden Bilder in uns wach.
Wir hören die Zikaden, fühlen die warme schwere Luft, fühlen den steinigen Boden unter unseren Füßen (wissen mit einem Mal, was Plinius uns sagen wollte) und sind in den Sommer des Südens versetzt, in die Heimat der Cistrose.
 
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